letzt Tage in der Türkei

Bei meiner Abreise von Yeni Köy nutze ich zunächst die Gelegenheit, mit dem Auto nach Bayramiç mitgenommen zu werden. Dort besuchen wir den Markt und der Hofbesitzer läd uns auf eine Portion Köfte ein – das erste Fleisch, das ich seit zwei Wochen esse. Von dort fahre ich mit dem Bus nach Çanakkale, aber nicht ohne mich von meinen Kollegen zu verabschieden. Als ich schon meinen Sitzplatz gefunden habe, führen sie vor meinem Fenster unseren "Bulgur-Tanz" auf. Dabei immitieren sie, wie wir mit ausgestreckten Armen einen Sack Bulgur, aus dem noch das heiße Wasser tropft, um die Töpfe herumtragen.

In Çanakkale übernachte ich zwei Nächte in einer Pansion. Tagsüber schlender ich an der Promemade entlang, wo ich Angler und badende Kinder beobachte, sowie Fisch esse. Außerdem besichtige ich das Schloß mit seiner Ausstellung über die Landung der Franzosen, Britten und ANZAC-Truppen im 1. Weltkrieg auf Gallipoli und kaufe mir ein neues Buch.

Mit den lieb gewonnenen Fernbussen fahre ich schließlich zu meiner letzten Station in der Türkei: İstanbul.

Dort komme ich in meinem Standart-Hostel unter (ich hatte im Vorfeld ein Bett im Balkonzimmer reserviert), welches auf der europäischen Seite in der Nähe des Galata-Turms gelegen ist. Die Tage verbringe ich allerdings größtenteils auf der asiatischen Seite. Einmal werde ich von einer Bekannten von Yeni Köy zum Mittag in ihre Wohnung in Üsküdar eingeladen. Der vermeintliche Treffpunkt entpuppt sich als Lage der Wohnung – nur durch eine Straße vom Ufer des Bosporus getrennt, gegenüber des Kız Kulesi, mit Blick auf fast alle Sehenswürdigkeiten İstanbuls… heutzutage unerschwinglich.
Am nächsten Tag fahre ich mal nicht mit der Fähre, sondern der neuen U-Bahn nach Kadıköy. Von dort mache ich mit einer anderen Bekannten und ihrer Tochter eine Tour entlang des Bosporus bis kurz hinter die zweite Brücke. Dabei machen wir Zwischenstopps am Beyberbeyi Palast, der Anatolischen Festung, dem Küçük Kasrı und natürlich zum Fisch essen. Abends habe ich noch die Möglichkeit in der Wohnung meiner Gastgeber zu duschen und ein wenig auszuruhen, bevor ich vom Flughafen Sabiha Gökçen (übrigens benannt nach der ersten weiblichen Luftwaffenpilotin der modernen Türkei) wieder nach Deutschland fliege.

noch einmal nach Yeni Köy

Nachdem ich mit dem Fernbus von Bursa nach Çan und einem Dolmuş nach Muratlar gefahren bin, wandere ich zu meinem Bauernhof. Ich muss zunächst kurz meine Erinnerung von ein paar Radfahrern und (wesentlich hilfreicher) einigen Dorfkindern auffrischen lassen, finde dann den Weg aber problemlos.

Bei dem Bauernhof handelt es sich um Yeni Köy, wo ich schon im Dezember zwei Wochen mitgearbeitet hatte. Im Sommer ist dort mehr zu tun, es sind mehr Leute da (unsere fünfköpfige Stamtruppe wächst durch ständiges Kommen und Gehen zwischenzeitlich auf 14 Personen an) und es ist wesentlich wärmer. Die Temperatur führt dazu, dass ein Großteil der Tätigkeiten auf den Abend verschoben werden und die hohe Fluktuation von Gästen und Freiweilligen dazu, dass immer wieder neue Abläufe entstehen und Aufgabenaufteilungen neu ausgehandelt warden müssen.
Zu meinen Aufgaben gehören:
– Gemüse ernten bzw. Unkraut jähten
– Getreibe separieren und einlagern
– Tomatensoße zubereiten
– Bulgur kochen und zum Trocknen ausbreiten
– Brennholz sammeln
– die Tiere zu versorgen
– ein neues Geländer zu bauen
– und natürlich Hilfe beim Kochen, Säubern etc.

Der Besitzer des Baurnhofes ist nur ein paar Tage vor Ort, aber ein langzeitiger Bewohner – den ich noch von meinem letzten Besuch kenne – übernimmt die Organisation. Zu meinere Freude kommt für zwei Tage noch ein weiteres bekanntes Gesicht (eine Freiwillige aus İstanbul) zu Besuch. Aber auch mit den anderen Helfern bzw. Gästen, die z.T. an einem recht esoterichem Kunstprogramm einer Nachbatin teilnehmen, komme ich gut und schnell in Konrakt. Dabei helfen meine Sprachkenntnisse, da alle – von einer Französin abgesehen – Einheimische sind. So verlasse ich nach zwei Wochen den Hof in Richung der Dardanellen, mit einer neuen Sammlung von Telefonnummern und Besuchseinladungen.

Richtung Marmara-Meer

Meinen Abschied von Antalya gestalte ich, indem ich mit einigen Kassenkameraden Fisch essen gehe und noch einmal für meine Gastfamilie koche. Nach diesen Verabschiedungen und dem bestandenen Abschlusstest (94% – was vor allem daran liegt, dass ich die Kurse in verkehrter Reihenfole gemacht habe), reise ich mit einem Fernbus nach Eskişehir.

Anders als der Name vermuten läßt, ist dies eine sehr moderne und dank zweier Universitäten recht junge Stadt. Vor allem die Pomenade am Fluß, die Parks und das Altstadtviertel sind sehenswert zurecht gemacht. Der Vetter meiner Türkischlehrerin spielt dort für mich den Reiseleiter. Mein Zimmer teile ich mir mit einem indischen Touristen, der sehr auf Durchzug bedacht ist und daher ständig unsere Zimmertür offen läßt. Was mich hier noch stört, werde ich in meiner nächsten Unterkunft immitieren…

Diese liegt zentral im Zentrum Bursas. Das günstige Hotel, welches ich auf den Rat meines Taxifahrers vom Busbahnhof beziehe, ist spatanisch eingerichtet (so hat es etwa nur ein Bad für zwei Etagen) und der beste Weg es auf eine erträgliche Temperatur abzukühlen ist Tür und Fenster weit aufzureißen.
In Bursa besuche ich die Reste der alten Zitadelle, die Altstadt, das archiologische Museum und mehrfach einen nahe gelegenen Park. Dem Großstadtlärm entfliehend, mache ich an einem Tag auch einen Ausflug auf den Hausberg Uludağ. Dazu nutze ich die Seilbahn. 8,7 km weiter, ein mal Umsteigen später und knapp 1600 Meter höher empfängt mich ein dichtes Waldgebiet. Beim Wandern durch dieses beschließe ich, dass Bursa trotz des Baubooms der letzten Jahre, immer noch zurecht den Beinamen „yeşil“ (grün) trägt. Ich verabschiede mich von dem Berg – der in helenistischer Zeit von den Anwohnern ebenfalls als Olymp bezeichnet wurde – indem ich nahe seines Gipfels ein Erfrischungsgetränk trinke, welches heute seinen Namen trägt.

Mit einem neuen Busticket bewaffnet und mittlerweile drei bandgierten Zehen, unter denen ich mein letzes Blasenpflaster gerecht aufgeteilt habe (igendwie habe ich nur Schuhe, die entweder der Hitze oder weiten Strecken gerecht werden), mache ich mich auf den Weg zu meinem Bauernhof.

ein zweiter Sprachkurs

Antalya empfängt mich mit hochsommerlichen Temperaturen. An nicht wenigen Tagen erreicht das Thermometer beinahe die 40 Grad-Marke, was mich vor allem Mittags ins Haus treibt. Besonders meine Schuhauswahl wird dieser Witterung nicht gerecht, so dass ich mir ein neues Paar zulegen muss (in dem ich mir gleich eine Blase laufe – dabei hatte der ehrliche Händler sie doch unnachgefragt als „gute Kopie“ beworben).
Mein Sprachkurs quält mich zusätzlich, da ich dem B1-Niveau doch noch nicht gdwachsen bin. Um zumindest das zu verändern, das in meiner Macht steht, wechsel ich am Ende der ersten Woche in einen leichteren Kurs, der praktischerweise auch noch in den günstigeren Vormittagsstunden angeboten wird. Ich genieße von da an die Wiederholungen und lerne dennoch viel neues, da ich ja auch das letzte mal quer eingestiegen war.

Obdach gewährt mir diesmal die Familie, der die Sprachschule gehört und als Mitbewohnerin bekomme ich eine palestinensiche Studentin zur Seite.

An den späten Nachmittagen bzw. den Wochenenden besuche ich Bekannte von meinen letzten Aufenthalten, gehe mit meiner Klasse Rafting, gehe Schwimmen (hole mir wiederholt einen Sonnenbrand), mache mit einer Freundin bei Kemer eine Schifffahrt und statte meinem treuen Buchhändler mehrere Besuche ab (einmal mit einigen interessierten Klassenkameraden).

Ab Mitte der zweiten Woche rückt das Thema Arbeitssuche verstärkt in meinen Fokus. Da es mir trotz intensivem Mail-Kontakts nicht gelingt mich erneut auf der Internetseite der Bauernhöfe anzumelden, aktiviere ich sämtliche Bekannte, die mir einfallen. Das führt dazu, dass ich an einem Tag mit einem Freund im Büro des Managers das Antalya Aquariums sitze. Auf Grund einer fehlenden Arbeitserlaubnis kann ich dort zwar nicht arbeiten, bekomme aber – neben etlichen Gläsern Tee – eine kostenlose Tour durch das Aquarium inkl. eines Blicks hinter die Kulissen. In meinem Resüme ein durchaus erfolgteicher Tag…

Meine Suche ist am Ende aber doch noch erfolgreich und ich vereinbare wieder nach Yeni Köy in die Nähe der Dardanellen zurück zu kehren.

Rückkehr in die Türkei

Bevor ich mich wieder auf den Weg in die Türkei mache, besuche ich nochmal meine Eltern. Sie sind zu dieser Zeit gerade mit dem zwischenzeilich reparierten Wohnmobil in Norddeurschland unterwegs. Daher treffen wir uns in Otternberg und besichtigen dann ein paar Tage Bremerhaven. Von den unmotivierten Schülern die Klassenweise an ihren letzten Schultagen vor den Sommerferien in die Museen und Züge getrieben werden abgesehen, ist es dort sehr entspannt.

Auch im Rheinland bereiten sich die Schüler schon intensiv auf ihre Ferien vor. Dort besuche ich kurz vor meiner Abreise meinen Neffen – der sein erstes Schuljahr beenden wird – samt Familie und einige meiner Freunde.

Anschließend fliege ich (für alle anderen Arten zu reisen wurde die Zeit leider ganz schön knapp) über Istanbul nach Antalya. Diesmal muss ich meine Besuche in Istanbul auf Beyoğlu, Eminönü und Ortaköy beschrenken, da ich an einer Konferenz der Koç Universität teilnehme. Unter dem Titel „Securitization of international migration: the politics of populism“ wird die Situation von Migranten in der EU, den USA und der Türkei, sowie die Änderungen rechtlicher Rahmenbedingungen und populistischer Einstellungen beleuchtet.

In Antalya werde ich die kommenden Wochen einen aufbauenden Sprachkurs und hoffentlich einige meiner Bekannten besuchen.

Die Zeit dazwischen…

Durch meiner Rückkehr nach Deutschland kam ich nicht nur nach Hause (in den Harz) beziehungsweise meine Heimat (das Rheinland), sondern auch gefühlsmäßig wieder in den Alltag, die Realität oder wie auch immer ich dies nennen kann. Ich ging zwar weiterhin nicht klassisch arbeiten, aber pflegte einige meiner Sozialkontakte, versuchte meinen Bungalow und Garten ordentlich zu halten und schon mal einige meiner Ideen umzusetzen. Diese Gelegenheit war sehr schön und ich habe mich über alle gefreut, die ich treffen konnte. Vor allem darüber einige Freunde, Bekannte, Kollegen und meine Familie gesehen zu haben.
Von drei Ausnahmen abgesehen fühlte ich mich in dieser Zeit aber eher wie in einem verlängerten Wochenende oder einem „normalen“ Urlaub, als in einem Sabbatical. Ein bisschen vielleicht eine Übung für meine Rückkehr im Herbst…

Da ich meine Gedanken darüber noch etwas sortieren muss (und das ungerne hier in aller Öffentlichkeit machen möchte), will ich an dieser Stelle von den drei Ausnahmen berichten:

Die erste war ein Ausflug mit meinen Eltern. Gemeinsam fuhren wir mit dem Wohnmobil vom Rheinland Richtung Berchtesgardener Land. Nach einem Zwischenstopp inkl. Besuch der Burg Runkel und Übernachtung in malerischen Lahnörtchen, fuhren wir nach Bayern. Dort besichtigten wir unter anderem Regensburg, das Kloster Weltenburg und die albern abgesicherte Walhalla. Wenn ich bedenke wie frei ich mich in der Türkei in den Ruinen antiker Städte bewegen durfte, erscheint es mir um so absurder, dass zu meiner Sicherheit in Deutschland nahezu barrierefreie Wege abgesperrt sind und weiße Markierungen auf dem Boden mich vom Abstürzen von Mauerkanten bewahren sollen…
Unser nächstes Etappenziel in der Nähe von München erreichten wir nicht. Da sich beim Wohnmobil (abgesehen unpraktischer Weise vom sechsten) keine Gänge mehr einlegen ließen, endete unsere Fahrt auf einem Discounter-Parkplatz, von wo wir vor eine Halle für Unfallwagen abgeschleppt wurden. Sowohl mit einem Wohnmobil auf einem Abschleppwagen durch die Stadt zu fahren, als auch die Übernachtung in faszinierender Industrieromantik empfand ich durchaus als Erlebnisreich.
Die Rückreise erledigten wir dann mit einem Mietwagen und unser fahrbares Haus wurde uns hinterher geschickt.

Vom 03. bis 18. Mai unternahm ich dann – und dies war die zweite Ausnahme – das Projekt, mein Rad wieder bei Hamburg abzuholen. Schon auf meiner ersten Etappe von meinen Verwandten in Norderstedt nach Padenstedt hatte ich die Panne, von der ich auf meiner lagen Radtour verschon geblieben war: Mein Vorderreifen verlor bei stetigem Regenwetter schnell Luft. (Das selbe sollte mir in Wittenberge noch einmal passieren.) Zum Glück in einem Örtchen, welches tatsächlich eine offene Fahrradwerkstatt mit äußerst flinken und sachkundigen Monteuren hatte. So konnte ich meine Reise nach nur etwa 15 Minuten wieder fortsetzen. In der Nähe von Rendsburg und Kiel besuchte ich weitere Verwandte, um dann über Plön und Lübeck nach Lauenburg an die Elbe zu fahren. Von dort folgte ich dem Elbradweg, zunächst stur den Deich entlang, am zweiten und dritten Tag vielen gut versteckten Umleitungen folgend. Meine Übernachtungsplätze waren Hitzacker, Wittenberge, Klietz und Magdeburg. Dann wandte ich mich nach Südwesten und fuhr über Landstraßen und holprige Feldwege wieder in den Harz. Da mich vor allem auf den letzten und gleichzeitig längsten Etappen die Sonne verwöhnte (allerdings immer von der selben Seite) kam ich dort nicht nur gut verschwitzt, sondern auch halbseitig sonnenverbrand an. Mein linker Oberarm sollte sich trotz liebevoller Pflege in den folgenden Tagen gleich zweimal pellen.
Insgesamt hatte ich in elf Etappen ungefähr 680 Kilometer zurück gelegt und damit meine durchschnittliche Strecke pro Tag von der letzten Tour um 10 Kilometer übertroffen. Dieses mal waren es 62 km/Etappe.

Die dritte Ausnahme gab meiner Haut die Möglichkeit sich wieder zu erholen. Ich flog nach Reykjavik zur Konferenz der europäischen Sektion der IFSW (International Federation of Social Work). Dort herrschte schönstes isländisches Frühlingswetter – also in der Regel 9 Grad Celsius und leichter Nieselregen. Das (und die wirklich hohen Preise für alles außer Strom) hielten mich aber nicht davon ab im Vorfeld bzw. nach der Konferenz die Stadt, die berühmtesten Sehenswürdigkeiten auf dem Golden Circel und die Halbinsel um den Snaefells-Gletscher zu besichtigen. Die Konferenz selber stand unter dem Titel „marginalization and social work in a changing socielty“ und bot sowohl eine große Auswahl an Inhalten, als auch vielfältige Möglichkeiten mit KollegInnen ins Gespräch zu kommen. Etwa ein Drittel der über 500 Teilnehmer waren Isländer. Daneben waren insbesondere Groß Britanien und die nordischen Länder gut vertreten, aber ich fand auch einige deutsche und türkische Sozialarbeiter. Neben der guten Organisation fiel mir vor allem die hohe Wertschätzung durch die Politik auf. Neben dem zuständigen Minister trat auch der isländische Premierminister ans Rednerpult. (Er amüsierte im Nebensatz mit der Offenbarung, dass er keine Ananas auf Pizza mag.) Aus Deutschland bin ich es eher gewohnt, dass selbst Landesministerien noch die Vertretung der Vertretung schicken, wenn es „nur“ ums Soziale geht…

Nun habe ich nur noch knapp ein Drittel meines Sabbaticals vor mir und versuche diese Zeit möglichst gut zu verplanen – und habe mir vorgenommen ab jetzt wieder regelmäßiger hier von mir hören zu lassen.

Mit dem Zug durch Osteuropa

In Craiova finde ich so gut wie keine touristische Ifrastruktur vor, so dass ich mit meinen Reisetaschen auf dem Rücken die Gegend um den Bahnhof erkunden muss. In Ermangelung eines typisch rumänischen Restaurants kehre ich schließlich in einer gewöhnlichen Pizzaria ein und kehre dann zum Bahnhof zurück. Nach dreieinhalb Stunden Wartezeit fahre ich mit dem nächsten Zug nach Simeria (was auch den Namen Eisenmarkt trägt).
Dort komme ich mit einer Stunde Verspätung an. Da mir das leider keiner sagt, bin ich kurz verwirrt und frage mich, ob ich meinen Bahnhof verpasst habe. In Simeria habe ich aber genügend Übergang – und auch der nächste Zug Verspätung – so dass ich entspannt mein Gleis suchen kann (selbst Gleisnummern kann ich nicht finden).
Auf dem letzten Abschnitt bis Budapest werde ich mehrfach von ungarischen Zöllnern geweckt und unterhalte mich auf deutsch mit einem mitreisenden Rumänen. Dieser schien ursprünglich die Hoffnung zu haben etwas Geld von mir zu bekommen, aber gab diese schnell auf und wir teilten unsere Kekse miteinander.

In Budapest beziehe ich ein Hostel, unterhalte mich lange mit dem dortigen Mitarbeiter und einer schottischen Zimmergenossin, erkunde die Stadt sowie die Burg und plane die weitere Reise.

Mit mittlerweile sehr zuverlässigen Zügen und ohne Grenzkontrollen reise ich an den folgenden Tagen zunächst nach Bratislava und dann nach Prag. Dort übernachte ich jeweils einmal und besichtige die Stadt.

Eine gute Woche nach meiner Abreise von Fethiye komme ich schließlich wieder zu Hause an, wo ich herzlich empfangen werde und ein paar Tage verbringe.

Ausreise aus der Türkei


Zum Abschied von der Yonca Lodge mache ich am letzten Tag mit den beiden Mädels von der Rezeption nochmal einen Ausflug nach Fethiye. Nach etlichen Kurierdiensten essen wir gemeinsam Dürüm und lassen den Abend bei Livemusik ausklingen.

Am nächsten Tag fahre ich mit Fernbussen ins griechisch-bulgarisch-türkische Dreiländereck. Ich hatte mich gegen einen Zwischenstop entschieden und erreiche so Edirne nach einer über 16stündigen Fahrt. Dort komme ich in einem Hostel in der Nähe der Innenstadt unter. Ich besuche ein kleines Museum, esse das lokale Lebergericht und besichtige gemeinsam mit meinem gesangsbegabten Zimmergenossen eine der Hauptmoscheen. Außerdem bereite mich auf meine Ausreise vor, indem ich zweimal zum Bahnhof fahre und dort – sowie bei der Touristen Informationen – versuche Details über den Zug nach Sofia in Erfahrung zu bringen. Die türkische Eisenbahn macht auf mich allerdings eher den Eindruck, als würde sie nicht mit Passagieren rechnen und so bekomme ich kein Ticket, zum Teil widersprüchliche Informationen (leider auch nicht immer richtige) und finde mich in der Nacht zum 14. März am Gleis wieder und hoffe im Zug selber erfolgreicher zu sein.
Dort bekomme ich dann auch mein Ticket – oder vielmehr alle drei. Eines für das türkische Teilstück, von einem anderen Schaffner das für mein Schlafabteil (es gibt keine anderen Abteile) und nach einem längeren Aufenthalt an der Grenze, das Ticket der bulgarischen Eisenbahn. Dieses kann allerdings nur in Euro bezahlt werden, die ich nicht in ausreichender Menge habe. Nachdem ich mich eine Weile über diese Organisation beschwere, erbarmt sich der türkische Schaffner und wechselt meine Lira in Euro, so dass ich auch diese Hürde überwinden kann. Zur Versöhnung lädt er mich kurz vor Sofia sogar noch auf das obligatorische Heißgetränk ein – wobei ich vermute, dass es eh im Preis enthalten war.

In Sofia beschließe ich spontan eine Nacht zu verbringen, da meine Verdauung ein wenig rebelliert. Das gibt mir die Möglichkeit mich auszuruhen und die Stadt ein wenig zu erkunden. (Wobei mich sowohl die Schrift, als auch das seltsame Verhalten der Einheimischen – sie gehen nur bei grün über die Straße und halten für Fußgänger an – zunächst etwas verwirrt.)

Von dort fahre ich mit Regionalzügen weiter nach Rumänien. Die Fahrkarten für zwei der vier Züge meiner nächsten Etappe bekomme ich – trotz heftiger Umwerbung eines Fernbusagenten – am Schalter im Hauptbahnhof. So dass ich recht problemlos von Sofia in die an der Donau gelegenen bulgarischen Grenzstadt Vidin fahren kann und von dort (nachdem ich ein Ticket für die restliche Strecke erstanden und die beiden Grenzkontrollen passiert habe) ins rumänische Craiova.

Yonca Lodge in Lykien

Nach dem Besuch meiner Bekannten in Denizli, wo ich ihrer Tante bzw. Mutter kennen lerne und später mit ihr sowie ihrer Cousine die Stadt bei Nacht erkunde, reise ich ans Mittelmeer zurück. Mein Ziel ist diese mal aber nicht Antalya, sondern Fethiye… oder vielmehr eine kleine Lodge in einem Dorf in der Nähe von Fethiye. Da ich nicht weiß, wo mein Dolmuş vom Busbahnhof lang fährt, springe ich bei der erst besten Möglichkeit von Bord und spazieren mit meinen beiden Taschen die letzten Kilometer bis zu meiner zukünftigen Arbeitsstelle (nicht ohne 150 Meter vor dieser an einer weiteren Dolmuş-Haltesetelle vorbei zu kommen – aber jetzt kenne ich wenigstens schon mal das Dorf).
In der Lodge bin ich geradezu luxuriös in einem der Gästezimmer untergebracht. Da die Saison erst im April beginnt, sind diese zur Zeit frei. Meine Aufgaben sind vor allem, neue Beete mit Erde aufzufüllen und Bäume sowie Rosen von Gras und Wildkräutern zu befreien. Dabei verfolgen mich zunehmend zutraulich die Hühner, in der Hoffnung auf zu Tage beförderte Würmer oder Insekten. Da ich ihnen leider nicht begreiflich machen kann, wann ich Feierabend habe, folgen sie mir auch an den Strand und fixieren mich erwartungsvoll. Zum Teil kommen sie so nah, dass ich sie mit der Hand wegstubsen kann/muss und einem trete ich sogar ausversehen auf den Fuß. (Zum Glück ohne es zu verletzen.)

Da es in der zweiten Woche häufiger regnet sammle ich nicht mehr Müll und Treibgut am Strand, sondern herabgefallene Äste am Bach, die ich dann der Nachbarskuh über den Zaun werfe und im Tausch ihre Milch trinken darf.

Außerdem besuche ich ein zweites Mal Fethiye (einmal war ich schon mit dem Sohn des Besitzers und seiner amerikanischen Freundin auf dem Gemüsemarkt), um mir die Ruine der Kreuzritterburg und die lykischen Felsengräber anzugucken.

Meinen neuen Standardkuchen backe ich einmal mit Äpfeln und einmal mit Orangenmarmelade, die ich von meinem letzten Bauernhof mitnehmen durfte (ein zweites Glas hatte ich in Denizli zum Essen beigesteuert).

An einem besonders verregneten Vormittag flüchte ich mich in die Rezeption und helfe beim basteln von kleinen Schachteln für die zukünftigen Gäste. Nebenbei planen wir meine Rückreise, da eines der Mädels praktischerweise aus Bulgarien stammt und mir beim Suchen der Züge nach und von Sofia hilft.

Godron Family Farm

Die kommenden zwei Wochen sind geprägt von Orangen. „Meine“ vierköpfige französische Familie hält verschiedene Nutzvögel (Enten, Gänse, Hühner, Perlhühner und ein Truthahn-Pärchen) eine Katze und einen Hund – ein Hirte legt uns einen Welpen vor die Tür, der aufgrund der Intervention der Kinder zumindest übergangsweise auch aufgenommen wird.
Außerdem haben sie einen Gemüsegarten sowie etliche Orangen- (und ein paar äußerst stachlige Granatapfel-)Bäume. Besonders die Orangenbäume sorgen für ausgefüllte Arbeitstage. Nach dem Aufsammeln alter heruntergefaller Früchte, entferne ich abgestorbene Äste und junge Triebe die im inneren der Bäume zu viel Energie von den Früchten ablenken würden. Dabei umkreisen mich regelmäßig die hungrigen Vögel. Besonders das liebestolle Truthan-Pärchen kommt so nah an mich heran, dass ich es streicheln könnte – den Hahn muss ich allerdings ab und zu an die Reihenfolge in der Nahrungskette erinnern…
Praktischerweise ist die diesjährige Ernte so gut ausgefallen, dass es täglich Orangen gibt. Wir essen sie einfach so, pressen ihren Saft aus, genießen sie als Marmelade, verarbeiten sie im Salat und ich kreiere sogar eine Süßspeise aus ihnen.

An den beiden Wochenenden steht nach der Arbeit je ein Ausflug zum Klettern auf dem Programm und bei der zweiten Exkursion beende ich nicht nur meine erste Top-Rope-Route dort, sondern schaffe sogar (mit aufmunternden Zurufen von unten) das erste mal eine im Vorstieg.

An einem Abend lädt uns ein befreundeter Deutscher und seine türkische Frau zum Fisch grillen ein. An einem anderen kommen die beiden und noch ein weiteres aus Deutschland ausgewandertes Paar zu Sauerkraut und Kassler zu uns vorbei. Da zwischendurch auch noch drei französische Künstlerinnen zu Besuch sind, ist viel Bewegung im Haus.
Als Abschlussprojekt im Garten stellen wir noch ein Gewächshaus fertig, welches wir am ersten Tag begonnen hatten.

An meinem freien Tag besichtige ich Thermessos. Weil der Weg vom Eingang bis zu den antiken Ruinen doch sehr weit ist, halte ich das erste vorbeikommende Auto an und werde mitgenommen. Wie sich herausstellt, habe ich mir dabei den Sohn eines Archäologen ausgesucht. So bekomme ich nicht nur meine eigene Führung und etwas Tee im Wächterhäuschen, sondern auch noch ein paar Wanderkarten geschenkt und eine Rückfahrt nach Antalya. Dort besuche ich die Außenterrasse meines Hostels und tausche bei meinem Buchhändler ein neues Buch.

Am Morgen meiner Abreise schenke ich dem Vater meiner Gastfamilie noch eine Packung Kräutertee, da ich zufällig mitbekommen habe, dass er Geburtstag hat und fahre dann mit einem Fernbus nach Dinizli, wo ich eine befreundete Studentin besuchen will.