letzt Tage in der Türkei

Bei meiner Abreise von Yeni Köy nutze ich zunächst die Gelegenheit, mit dem Auto nach Bayramiç mitgenommen zu werden. Dort besuchen wir den Markt und der Hofbesitzer läd uns auf eine Portion Köfte ein – das erste Fleisch, das ich seit zwei Wochen esse. Von dort fahre ich mit dem Bus nach Çanakkale, aber nicht ohne mich von meinen Kollegen zu verabschieden. Als ich schon meinen Sitzplatz gefunden habe, führen sie vor meinem Fenster unseren "Bulgur-Tanz" auf. Dabei immitieren sie, wie wir mit ausgestreckten Armen einen Sack Bulgur, aus dem noch das heiße Wasser tropft, um die Töpfe herumtragen.

In Çanakkale übernachte ich zwei Nächte in einer Pansion. Tagsüber schlender ich an der Promemade entlang, wo ich Angler und badende Kinder beobachte, sowie Fisch esse. Außerdem besichtige ich das Schloß mit seiner Ausstellung über die Landung der Franzosen, Britten und ANZAC-Truppen im 1. Weltkrieg auf Gallipoli und kaufe mir ein neues Buch.

Mit den lieb gewonnenen Fernbussen fahre ich schließlich zu meiner letzten Station in der Türkei: İstanbul.

Dort komme ich in meinem Standart-Hostel unter (ich hatte im Vorfeld ein Bett im Balkonzimmer reserviert), welches auf der europäischen Seite in der Nähe des Galata-Turms gelegen ist. Die Tage verbringe ich allerdings größtenteils auf der asiatischen Seite. Einmal werde ich von einer Bekannten von Yeni Köy zum Mittag in ihre Wohnung in Üsküdar eingeladen. Der vermeintliche Treffpunkt entpuppt sich als Lage der Wohnung – nur durch eine Straße vom Ufer des Bosporus getrennt, gegenüber des Kız Kulesi, mit Blick auf fast alle Sehenswürdigkeiten İstanbuls… heutzutage unerschwinglich.
Am nächsten Tag fahre ich mal nicht mit der Fähre, sondern der neuen U-Bahn nach Kadıköy. Von dort mache ich mit einer anderen Bekannten und ihrer Tochter eine Tour entlang des Bosporus bis kurz hinter die zweite Brücke. Dabei machen wir Zwischenstopps am Beyberbeyi Palast, der Anatolischen Festung, dem Küçük Kasrı und natürlich zum Fisch essen. Abends habe ich noch die Möglichkeit in der Wohnung meiner Gastgeber zu duschen und ein wenig auszuruhen, bevor ich vom Flughafen Sabiha Gökçen (übrigens benannt nach der ersten weiblichen Luftwaffenpilotin der modernen Türkei) wieder nach Deutschland fliege.

noch einmal nach Yeni Köy

Nachdem ich mit dem Fernbus von Bursa nach Çan und einem Dolmuş nach Muratlar gefahren bin, wandere ich zu meinem Bauernhof. Ich muss zunächst kurz meine Erinnerung von ein paar Radfahrern und (wesentlich hilfreicher) einigen Dorfkindern auffrischen lassen, finde dann den Weg aber problemlos.

Bei dem Bauernhof handelt es sich um Yeni Köy, wo ich schon im Dezember zwei Wochen mitgearbeitet hatte. Im Sommer ist dort mehr zu tun, es sind mehr Leute da (unsere fünfköpfige Stamtruppe wächst durch ständiges Kommen und Gehen zwischenzeitlich auf 14 Personen an) und es ist wesentlich wärmer. Die Temperatur führt dazu, dass ein Großteil der Tätigkeiten auf den Abend verschoben werden und die hohe Fluktuation von Gästen und Freiweilligen dazu, dass immer wieder neue Abläufe entstehen und Aufgabenaufteilungen neu ausgehandelt warden müssen.
Zu meinen Aufgaben gehören:
– Gemüse ernten bzw. Unkraut jähten
– Getreibe separieren und einlagern
– Tomatensoße zubereiten
– Bulgur kochen und zum Trocknen ausbreiten
– Brennholz sammeln
– die Tiere zu versorgen
– ein neues Geländer zu bauen
– und natürlich Hilfe beim Kochen, Säubern etc.

Der Besitzer des Baurnhofes ist nur ein paar Tage vor Ort, aber ein langzeitiger Bewohner – den ich noch von meinem letzten Besuch kenne – übernimmt die Organisation. Zu meinere Freude kommt für zwei Tage noch ein weiteres bekanntes Gesicht (eine Freiwillige aus İstanbul) zu Besuch. Aber auch mit den anderen Helfern bzw. Gästen, die z.T. an einem recht esoterichem Kunstprogramm einer Nachbatin teilnehmen, komme ich gut und schnell in Konrakt. Dabei helfen meine Sprachkenntnisse, da alle – von einer Französin abgesehen – Einheimische sind. So verlasse ich nach zwei Wochen den Hof in Richung der Dardanellen, mit einer neuen Sammlung von Telefonnummern und Besuchseinladungen.

Richtung Marmara-Meer

Meinen Abschied von Antalya gestalte ich, indem ich mit einigen Kassenkameraden Fisch essen gehe und noch einmal für meine Gastfamilie koche. Nach diesen Verabschiedungen und dem bestandenen Abschlusstest (94% – was vor allem daran liegt, dass ich die Kurse in verkehrter Reihenfole gemacht habe), reise ich mit einem Fernbus nach Eskişehir.

Anders als der Name vermuten läßt, ist dies eine sehr moderne und dank zweier Universitäten recht junge Stadt. Vor allem die Pomenade am Fluß, die Parks und das Altstadtviertel sind sehenswert zurecht gemacht. Der Vetter meiner Türkischlehrerin spielt dort für mich den Reiseleiter. Mein Zimmer teile ich mir mit einem indischen Touristen, der sehr auf Durchzug bedacht ist und daher ständig unsere Zimmertür offen läßt. Was mich hier noch stört, werde ich in meiner nächsten Unterkunft immitieren…

Diese liegt zentral im Zentrum Bursas. Das günstige Hotel, welches ich auf den Rat meines Taxifahrers vom Busbahnhof beziehe, ist spatanisch eingerichtet (so hat es etwa nur ein Bad für zwei Etagen) und der beste Weg es auf eine erträgliche Temperatur abzukühlen ist Tür und Fenster weit aufzureißen.
In Bursa besuche ich die Reste der alten Zitadelle, die Altstadt, das archiologische Museum und mehrfach einen nahe gelegenen Park. Dem Großstadtlärm entfliehend, mache ich an einem Tag auch einen Ausflug auf den Hausberg Uludağ. Dazu nutze ich die Seilbahn. 8,7 km weiter, ein mal Umsteigen später und knapp 1600 Meter höher empfängt mich ein dichtes Waldgebiet. Beim Wandern durch dieses beschließe ich, dass Bursa trotz des Baubooms der letzten Jahre, immer noch zurecht den Beinamen „yeşil“ (grün) trägt. Ich verabschiede mich von dem Berg – der in helenistischer Zeit von den Anwohnern ebenfalls als Olymp bezeichnet wurde – indem ich nahe seines Gipfels ein Erfrischungsgetränk trinke, welches heute seinen Namen trägt.

Mit einem neuen Busticket bewaffnet und mittlerweile drei bandgierten Zehen, unter denen ich mein letzes Blasenpflaster gerecht aufgeteilt habe (igendwie habe ich nur Schuhe, die entweder der Hitze oder weiten Strecken gerecht werden), mache ich mich auf den Weg zu meinem Bauernhof.