Die Zeit dazwischen…

Durch meiner Rückkehr nach Deutschland kam ich nicht nur nach Hause (in den Harz) beziehungsweise meine Heimat (das Rheinland), sondern auch gefühlsmäßig wieder in den Alltag, die Realität oder wie auch immer ich dies nennen kann. Ich ging zwar weiterhin nicht klassisch arbeiten, aber pflegte einige meiner Sozialkontakte, versuchte meinen Bungalow und Garten ordentlich zu halten und schon mal einige meiner Ideen umzusetzen. Diese Gelegenheit war sehr schön und ich habe mich über alle gefreut, die ich treffen konnte. Vor allem darüber einige Freunde, Bekannte, Kollegen und meine Familie gesehen zu haben.
Von drei Ausnahmen abgesehen fühlte ich mich in dieser Zeit aber eher wie in einem verlängerten Wochenende oder einem „normalen“ Urlaub, als in einem Sabbatical. Ein bisschen vielleicht eine Übung für meine Rückkehr im Herbst…

Da ich meine Gedanken darüber noch etwas sortieren muss (und das ungerne hier in aller Öffentlichkeit machen möchte), will ich an dieser Stelle von den drei Ausnahmen berichten:

Die erste war ein Ausflug mit meinen Eltern. Gemeinsam fuhren wir mit dem Wohnmobil vom Rheinland Richtung Berchtesgardener Land. Nach einem Zwischenstopp inkl. Besuch der Burg Runkel und Übernachtung in malerischen Lahnörtchen, fuhren wir nach Bayern. Dort besichtigten wir unter anderem Regensburg, das Kloster Weltenburg und die albern abgesicherte Walhalla. Wenn ich bedenke wie frei ich mich in der Türkei in den Ruinen antiker Städte bewegen durfte, erscheint es mir um so absurder, dass zu meiner Sicherheit in Deutschland nahezu barrierefreie Wege abgesperrt sind und weiße Markierungen auf dem Boden mich vom Abstürzen von Mauerkanten bewahren sollen…
Unser nächstes Etappenziel in der Nähe von München erreichten wir nicht. Da sich beim Wohnmobil (abgesehen unpraktischer Weise vom sechsten) keine Gänge mehr einlegen ließen, endete unsere Fahrt auf einem Discounter-Parkplatz, von wo wir vor eine Halle für Unfallwagen abgeschleppt wurden. Sowohl mit einem Wohnmobil auf einem Abschleppwagen durch die Stadt zu fahren, als auch die Übernachtung in faszinierender Industrieromantik empfand ich durchaus als Erlebnisreich.
Die Rückreise erledigten wir dann mit einem Mietwagen und unser fahrbares Haus wurde uns hinterher geschickt.

Vom 03. bis 18. Mai unternahm ich dann – und dies war die zweite Ausnahme – das Projekt, mein Rad wieder bei Hamburg abzuholen. Schon auf meiner ersten Etappe von meinen Verwandten in Norderstedt nach Padenstedt hatte ich die Panne, von der ich auf meiner lagen Radtour verschon geblieben war: Mein Vorderreifen verlor bei stetigem Regenwetter schnell Luft. (Das selbe sollte mir in Wittenberge noch einmal passieren.) Zum Glück in einem Örtchen, welches tatsächlich eine offene Fahrradwerkstatt mit äußerst flinken und sachkundigen Monteuren hatte. So konnte ich meine Reise nach nur etwa 15 Minuten wieder fortsetzen. In der Nähe von Rendsburg und Kiel besuchte ich weitere Verwandte, um dann über Plön und Lübeck nach Lauenburg an die Elbe zu fahren. Von dort folgte ich dem Elbradweg, zunächst stur den Deich entlang, am zweiten und dritten Tag vielen gut versteckten Umleitungen folgend. Meine Übernachtungsplätze waren Hitzacker, Wittenberge, Klietz und Magdeburg. Dann wandte ich mich nach Südwesten und fuhr über Landstraßen und holprige Feldwege wieder in den Harz. Da mich vor allem auf den letzten und gleichzeitig längsten Etappen die Sonne verwöhnte (allerdings immer von der selben Seite) kam ich dort nicht nur gut verschwitzt, sondern auch halbseitig sonnenverbrand an. Mein linker Oberarm sollte sich trotz liebevoller Pflege in den folgenden Tagen gleich zweimal pellen.
Insgesamt hatte ich in elf Etappen ungefähr 680 Kilometer zurück gelegt und damit meine durchschnittliche Strecke pro Tag von der letzten Tour um 10 Kilometer übertroffen. Dieses mal waren es 62 km/Etappe.

Die dritte Ausnahme gab meiner Haut die Möglichkeit sich wieder zu erholen. Ich flog nach Reykjavik zur Konferenz der europäischen Sektion der IFSW (International Federation of Social Work). Dort herrschte schönstes isländisches Frühlingswetter – also in der Regel 9 Grad Celsius und leichter Nieselregen. Das (und die wirklich hohen Preise für alles außer Strom) hielten mich aber nicht davon ab im Vorfeld bzw. nach der Konferenz die Stadt, die berühmtesten Sehenswürdigkeiten auf dem Golden Circel und die Halbinsel um den Snaefells-Gletscher zu besichtigen. Die Konferenz selber stand unter dem Titel „marginalization and social work in a changing socielty“ und bot sowohl eine große Auswahl an Inhalten, als auch vielfältige Möglichkeiten mit KollegInnen ins Gespräch zu kommen. Etwa ein Drittel der über 500 Teilnehmer waren Isländer. Daneben waren insbesondere Groß Britanien und die nordischen Länder gut vertreten, aber ich fand auch einige deutsche und türkische Sozialarbeiter. Neben der guten Organisation fiel mir vor allem die hohe Wertschätzung durch die Politik auf. Neben dem zuständigen Minister trat auch der isländische Premierminister ans Rednerpult. (Er amüsierte im Nebensatz mit der Offenbarung, dass er keine Ananas auf Pizza mag.) Aus Deutschland bin ich es eher gewohnt, dass selbst Landesministerien noch die Vertretung der Vertretung schicken, wenn es „nur“ ums Soziale geht…

Nun habe ich nur noch knapp ein Drittel meines Sabbaticals vor mir und versuche diese Zeit möglichst gut zu verplanen – und habe mir vorgenommen ab jetzt wieder regelmäßiger hier von mir hören zu lassen.

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