Pamphylien und Umgebung

Die folgenden zwei Wochen bin ich vor allem damit beschäftigt Türkisch zu lernen. Nach der Schule spaziere ich in der Regel noch etwas durch die Stadt oder in einem der Parks und lese auf unserem Balkon. (Bei einem sehr sprachbegabten und belesenem Gebrauchtbuchhändler, der seit dem gerne für einen kleinen Plausch zur Verfügung steht, hatte ich mir ein neues Buch gekauft.) Abends widme ich mich dann meinen Hausaufgaben und lerne Vokabeln. Nebenbei versuche ich, die Themen der vorherigen Wochen nachzuholen. Da ich aber auch auf kleine kulturelle und soziale Höhepunkte nicht verzichten will, komme ich beim Nachholen nur langsam voran. Dafür besichtige ich die beiden Düden Wasserfälle sowie die Ruinen von Phasalis und besuche mehrere Male die Mutter meiner Gastfamilie auf ihrer Arbeit. Auf dem Weg zum Abendessen bei den Geschwistern, die den Sprachkurs organisieren, werde ich ein zweites Mal von der Polizei kontrolliert. Dieser Beamte kann aber gut Englisch und der Anblick des Kuchens, den ich als Gastgeschenk dabei habe, verstreut jede Skepsis bei ihm.
Ein wirkliches Erlebnis bietet mir der Friseur, zu dem ich mich nach einiger Überwindung wage (immerhin habe ich mir seit 20 Jahren nicht mehr von einem Profil die Haare schneiden lassen). Zum einen freue ich mich, dass ich nicht nur meine Wünsche äußern kann, sondern auch noch ein Gespräch gelingt. Zum anderen bekomme ich für mein Geld mehr als nur die Haare geschnitten, den Bart getrimmt und den obligatorischen Tee. Zusätzlich ist auch das Waschen der Haare und des gesamten Gesichtes – inkl. des inneren meiner Ohren – inbegriffen. Als Zugabe vermittelt der Friseur mir noch den Kontakt zu einem Ziegenhirten, da sich die Suche nach einer Arbeit nach meiner Zeit in Antalya schwierig gestaltet. Dieses Angebot kommt zwar nicht zustande, aber da ich den Sppachkurs um eine Woche verlängere gewinne ich Zeit und bekomme schließlich doch noch eine Zusage von einem kleinen Bauernhof.

An einem der Wochenenden mache ich mit dem Fernbus einen Ausflug – durch das tief verschneite Taurus-Gebirge – nach Konya, um die beiden Studenten zu besuchen, die ich auf Yeni Köy kennen gelernt hatte. Sie besichtigen mit mir das Mausoleum von Mevlana Dschalaleddin Rumi und im Anschluss gucken wir in einem Café einem kleinen Mädchen dabei zu, wie es den Derwischtanz übt und lauschen einem Musikerpärchen. Beim Aufbruch fällt meinem Gastgeber auf, dass er sein Portmonee verloren hat. So verbringen wir die halbe Nacht damit alle Ort abzulaufen, wo er gewesen ist oder es abgegeben worden sein könnte, um doch unverrichteter Dinge zu seinem Freund zurück zu kehren, wo wir übernachten. Als ich mich am nächsten Morgen wieder von ihm verabschiede, nimmt er den von mir angebotenen kleinen Geldbetrag nur unter dem Versprechen an, es zurück zu geben, wenn ich ihn bei seiner Familie in Ordu besuche. Bei der Rückfahrt wird der Bus an einer Straßensperre angehalten und unsere Ausweise kontrolliert. Man könnte ja denken, dass sich dabei eine gewisse Routine einstellt, aber der Gedanke verfliegt schnell beim Anblick des gepanzerten Jeeps und der Polizisten mit Maschinenpistolen.

Reise ans Mittelmeer

Der Schnee bewegt meine Gastgeber dazu ihre (ohnehin recht flexiblen) Pläne zu ändern. So kommen ich und mein Reisegefährte aus Konya in den Genuss, vom Bauernhof bis nach Ezine gefahren zu werden. Von dort fahren regelmäßig Busse nach İzmir.
Ich lasse mich allerdings dazu überreden die günstigere und schnellere Reise mit BlaBla-Car zu wählen – wobei der zweitgenannte Vorteil durch die mehrstündige Wartezeit auf eine passende Mitfahrgelegenheit wegfällt. Als unser Fahrer schließlich auftauch entpuppt er sich aber als freundlicher, gesprächiger Zeitgenosse, der mir (wie fast alle meine Bekanntschaften) seine Hilfe anbietet, falls ich je Probleme haben sollte.

Die folgenden zwei Tage teile ich mir in İzmir mit drei jungen Männern ein kleines Zimmer. Einer betreibt einen Videospiele-Laden, die beiden anderen sind Studenten und zeigen mir ihre Stadt. Derjenige, der auf dem Bauernhof am schlechtesten Englisch sprach, ist nun der beste, so dass unsere Unterhaltungen regelmäßig in allgemeiner Ratlosigkeit oder großem Amüsement enden. Das wenige was sie haben teilen sie sehr bereitwillig und ich muss sie austricksen, um auch mal was bezahlen zu dürfen.

Am ersten Januar fahre ich schließlich mit einem Überlandbus nach Antalya und komme abends bei meiner Gastfamilie an. In Antalya hatte ich einen dreiwöchigen Sprachkurs gebucht, den außer mir noch ein anderer Deutscher besucht. (Der Kurs hat allerdings bereits zwei Wochen vorher begonnen und ist auf A2-Niveau, was mich ganz schön fordert.)

So verbringe ich die Vormittage in der Schule und die Nachmittage mit Lernen bzw. kleinen Erkundungen der Sehenswürdigkeiten Antalyas. Dabei ordert mich an einem Tag in einem Park ein Polizist zu sich und verlangt meine Papiere zu sehen. Er ist eine Weile irritiert, dass ich Ausländer bin, aber in keinem Hotel wohne, lässt mich dann aber weiter spazieren.
Bei einem anderen Ereignisse bin ich wesentlich aufgeregter: Als ich beim Überqueren der Straße auf dem begrünten Mittelstreifen stand, fuhr hinter mir ein Auto gegen die Ampel und ein Orangen-Bäumchen. Die Stoßstange flog an mir vorbei auf die Gegenfahrbahn, aber mich trafen nur Kleinteile und ich kam unversehrt davon.

Das erste Wochenende nutze ich zu einem Ausflug mit meinem Klassenkameraden und seiner Frau in die antike Ruinenstadt Aspendos und einer geführten Wanderung mit einer knapp 30köpfigen Gruppe in den Bergen nördlich von Antalya.